| Gefühlstagebuch | |
| 19.11.20 | La Musica - das Lied der Liebe Manche Menschen schreiben manchmal doch etwas. Marguerite Duras war so ein Mensch. Sie selbst hat es so gesagt in ihrem Nachwort zu dem wunderbaren Theaterstück "La Musica Zwei", das ich im Nov/Dez 03 in Villach spielen darf. Sie sagt: Manchmal schreibt man am Ende doch etwas. Und meint damit: Manchmal gelingt etwas, das doch Bedeutung haben kann, das eine Wahrheit enthält, das dem Leben ganz begegnet. Zum ersten Mal in meinem Leben - nach mittlerweile 16 Bühnenjahren - spiele ich nicht mehr, sondern lasse es in mir spielen, gebe mich einfach hin und folge der leisen Stimme der Duras die mir in jeder Zeile, in jedem Wort dieses herrlichen Textes zuflüstert, wohin es geht, wie es zu sagen, es zu spielen ist. Es ist ein ähnliches Erlebnis, wie wenn man bei einer systemischen Familienaufstellung als Stellvertreter stehen darf - und all das Leben überkommt einen, all die Tränen, all die Freude, all die Sehnsucht. So spiele ich heute. Ich gebe mich einfach hin und her. Und lasse geschehen, was geschehen muss. Da beginnt für mich also ganz unerwartet ein neues Theater. Eine andere Zeit der Schauspielkunst. Und ich bin dankbar, immer wieder diesen Gaben aufs Neue folgen zu dürfen. |
| 16.04.20 | So lange her ... Meine Zeit gehört der Familie, dem Theater und den laufenden Seminaren, Coachings, Vorträgen. Viel zu selten denke ich an dieses Tagebuch. Viel zu selten, wirklich. Aber wie ist das: Man spart immer aus, was einem erlässlich scheint. Und so spart wohl mein Unterbewusstsein dieses Tagebuch aus, weil es irgendwie weiß, die Besucher meiner Page werden mir verzeihen; oder es hofft das zumindest... Ich kann Sie nur bitten, mir das tatsächlich zu verzeihen und auch, sich einfach per Mail zu melden, wenn Sie glauben, ich wäre jetzt grade ein guter Ansprechpartner für Sie. Bitte, tun Sie das einfach. Mein Bewusstsein nimmt sich immer Zeit für ein paar Zeilen und ist, darin zumindest, meinem Unterbewusstsein überlegen. Bitte. Danke. |
| 28.10.20 | Mein Vierteljahresbuch... Herbst ist schon. Und das Feld vor meinem Haus wird noch von den Pferden beweidet. Zwischen Tagen des Theaters, der Familie, den Seminaren und Vorträgen bleibt oft nur sprachlosigkeit und Ausgeleertes... Ich bin zwar guter Dinge und hab ganz stolz schon wieder 12 Kilo abgenommen (und es werden noch mehr), aber dieses Tagebuch bleibt doch zur Zeit mein Stiefkind. Du - lieber Leser - bist hoffentlich nicht vergrämt und besuchst trotzdem meine Page oder vielleicht noch besser die neuebuehne. Dort bin ich oft und freu mich, Dich zu treffen. |
| 04.09.20 | Theaterzeit Was soll ich sagen? Es ist vor allem Theater- und Seminarzeit. Deshalb schreib ich so selten in dieses Tagebuch hinein. Bitte, liebe Leser nicht böse sein. Aber ich muss mit meinen "Hirnbelegungen" einfach haushalten. Sollte ich mal wieder regelmäßiger schreiben, erfahrt Ihr das sofort über den Newsletter. Und auch wenn es wirklich was Wichtiges zu sagen gibt, melde ich mich sicher intensiver. Bis dann m. |
| 18.07.20 | Die Liebe... Gerade hab ich meinem Sohn zur Gute-Nacht eine Geschichte vorgelesen. Eine Geschichte über den Affenjungen Toni, der – wie sein Freund Sokrates sagt – ein richtiger, kleiner Philosoph ist. Die Frage, auf die Toni unbedingt eine Antwort wissen wollte, war: Was ist eigentlich die Liebe? Und die Antwort von Sokrates, dem alten, weisen Affenmann: Die Liebe ist die stärkste Kraft der Welt, die alles, was es gibt, zusammenhält. Es ist einfach ein Augenblick, der so voll ist von wacher, bewusster Liebe zu meinem Sohn, dass es ein paar Zeilen braucht, um zu erzählen: Von den Tränen der Liebe und der Freude, wenn wir uns so innig umarmen...von dem Schmerz und der Furcht die in dieser Liebe mitschwingt...der Furcht der Vaters davor, zu oft das Falsche zu tun, seine Zweifel zu schüren, die Angst wachzurufen, den Zorn zu wecken, und, und, und...die Fragen, die unzähligen Fragen, nach der angemessenen Erziehung...der eigene Zweifel über diese Welt, über Schulen und Religionen und Gesellschaft... So ergeht es wohl vielen Eltern, deren Herzen offen sind, zu offen vielleicht manchmal, und die erst durch ihre Kinder die mögliche Liebe zu Menschen begreifen konnten (oder durften)... Es ist so wie Rilke es in einem meiner Lieblingsgedichte schrieb: Lehn deine Wang an meine Wang, dann fließen die Tränen zusammen. Und an mein Herz press fest dein Herz, dann schlagen zusammen die Flammen. Und wenn der Strom von unsern Tränen, sich groß in die Flamme ergießt, und wenn mein Arm dich gewaltig umschließt, dann sterb’ ich vor Liebessehnen. Die Liebe ist die stärkste Kraft der Welt... und ich nehme mir wieder einmal vor, ihr mein Leben zu schenken... und es im täglichen Allerlei nicht zu vergessen. |
| 10.06.20 | Leicht... Es wird leicht rundum...und die Tage gehen wieder auf...und das Herz kehrt zurück zum Rosenort...und ich bin wieder friedlich und sehne mich nach meinen Wörtern in den Büchern und Vorträgen... und bin auffällig romantisch in diesen Tagen... ...mal eine andere Seite wieder aufgeschlagen. |
| 22.05.20 | Nur das Leben weiß... In den letzten Wochen hätten alle eifrigen Tagebuchleser bestimmt eine Menge Geld mit mir verdient – denn ich wahr unter Stress, was heißt (!) ich war unter Dauerstress; bis hin zu einer ziemlich zähen Nacken-Schulterverspannung, die ich während dieser so rasch aufeinander folgenden Theatersituationen nicht los werden konnte. Heute geht es wieder besser. So langsam kehren meine Energien zurück, bzw. kommen wieder in Fluss... Ich bin froh, dass mit der neuebuehne alles so gut gelaufen ist und es scheint mir, dass tatsächlich wieder eine Keimzelle entstanden ist, die für menschliche Entwicklung, für Begegnung und Erkenntnis da ist. Und doch: Es verwirrt mich mehr und mehr. Spielen und Schreiben und Lehren und Managen...jedes für sich wäre ein ganzer Beruf. Was also ist zu tun in den kommenden Wochen und Monaten, Jahren? Was ist das Nächste? Sicher erstmal ruhen oder besser: Ruhe finden bis tief in den Sommer - hin zur theater-, vortrags-, seminarfreien Zeit. Und in diesen Monaten das Nächste entstehen lassen und zuvor nur darauf achten, nichts zu früh und zu voll zu planen. Vielleicht muss ich ja doch mal wieder vor der Kamera stehen und Filme machen?! Sicher wird es wieder ein Buch geben...aber wer weiß...unter welchem Namen? Still muss es wieder werden, denn nur wenn es still ist, ganz still, kann ich die Stimme deutlich hören. Und ohne auf meine Stimme zu hören, setze ich keinen Schritt vor den anderen. Schließlich: Nur das Leben weiß, was es will...und was entstehen soll. |
| 04.04.20 | Ich weiß, ich weiß... Es ist wirklich unmöglich von mir nach mehrmaligen Ankündigungen, jetzt endlich öfter zu schreiben, überhaupt nur mehr einmal im Monat eine Tagebucheintragung vorzunehmen. Ich will mich auch gar nicht herausreden, aber... ...na ja, die neuebuehne beschäftigt mich innerlich nun doch bei weitem mehr als gedacht. Also ist der heutige Eintrag eigentlich auch nur eine Vertröstung und eine Aufforderung: 1) Unbedingt ins neue Theater nach Villach kommen! 2) Ebenso dringend mal einen Blick in die neue Homepage der Bühne werfen: www.neuebuehnevillach.at Dort findet man zur Zeit einfach mehr von mir, als auf meiner eigenen Page. Aber... (Hoch und heilig versprochen!) ...im Herbst kommen wieder mehr Eintragungen, denn da beginne ich auch wieder mit einem neuen Buch und damit auch mit regelmäßiger Schreibtätigkeit. Da wird sicher die eine oder andere Zeile fürs Tagebuch abfallen... Bis dahin wird’s wohl nicht mehr als monatlich sein, dass ich weiterschreibe. Tut leid und bitte um Verständnis...Herzgrüße...! |
| 04.03.20 | Ein Augenblick... Eben ein Augenblick voll tiefer Ruhe... Auch wenn ich mit meiner Übung – mir keine Stressgefühle mehr zu erlauben – schon ganz erfolgreich bin: es ändert nichts daran, dass sich die Zeit regelmäßig überschlägt. Die letzte Woche habe ich in Düsseldorf mit Wahrnehmungstraining und Erlebnisführungen für Besucher der europäischen Ladenbaumesse verbracht. Dann ein Tag Familie und Liebe leben und gestern, vorgestern wieder das Theater mit seinen unbändigen Gefühlen und Phantastereien, die mich nie ungeschoren lassen... Im Handgepäck immer mit dabei führe ich das kleine Handbuch von Paulo Coelho „Krieger des Lichts“ – und wie heißt es dort passend dazu: „Für das innere Wachstum (und das Gewahrwerden) kennt der Krieger des Lichts eine höchst wirksame Übung: Er achtet auf die Dinge, die er automatisch macht, wie atmen, mit den Augen zwinkern oder die Dinge um ihn herum wahrnehmen. (...)Wann immer er sich vor schwierige Situationen gestellt sieht, wendet er diese Technik an.“ Wer den Augenblick erschließt, öffnet das Tor zum Leben. Ein Augenblick nur und dann noch ein Augenblick und dann noch einer und ... |
| 02.02.20 | Ich verteidige...mich... Es gelingt! - mit jedem Tag besser: die konsequente Verteidigung meiner freien Lebens- und Familienzeit. (Das ist also sozusagen eine Jubel-Stolz-Tagebucheintrag.) Zwar kommen hin und wieder so Rückmeldungen wie „Du bist aber schwer zu erreichen in letzter Zeit“ oder „Wir verlieren uns aus den Augen“ oder „Mir kommt vor, Du bist immer so kurz angebunden am Telefon“ – aber ich muss gestehen, dass ich das voll und ganz als Erfolg werte. Natürlich sorge ich dafür, dass ich niemand Wichtigen wirklich aus den Augen verliere, aber auch da gibt’s einfach Abstriche. Ich habe nämlich vor grade mal 2 Wochen beschlossen: Ich habe keinen Stress mehr. Ich lebe mein Leben im Urlaubsfeeling und auch: Keine Angst! Sagt sich ja so leicht. Aber – wie bereits notiert – es gelingt von Tag zu Tag besser. Hier ein Angebot an Dich lieber Leser – zugleich zu meiner Unterstützung: Solltest Du mich in Zukunft wieder mal gestresst oder mit eindeutigem Nicht-Urlaubsfeeling antreffen, erhältst Du von mir € 10.- bar auf die Hand. Puh, jetzt muss ich mich ja fast richtig damit stressen, mich nicht zu stressen... Nuja, vielleicht bist Du ja etwas nachsichtig mit mir und holst Dir statt den Euros schnell einen Rat für...was halt grade ansteht...oder schenkst mir eine Erinnerung an mein Versprechen mir gegenüber...oder...nimmst halt einfach das Geld. Ist auch OK, denn dazu steh ich ab jetzt. Ich habe keinen Stress mehr und lebe im Urlaubsfeeling und ohne Angst. Wär’ doch mal eine Wette wert, was meinst Du? |
|
|
| 27.01.20 | Ein Segen... Ich leb’ wieder mal zwischen den Wirklichkeiten. Die reale Welt – das tägliche Schuhebinden, Brotkrumen auflesen und Zahnpastastreichen – steht der Welt des Theaters, und der Welt der Bücher und Lehren gegenüber. Ich bemühe mich, die Zeit zu teilen und sie zuzuordnen – Welcher Welt gehört nun eben jene Stunde? – und beständig darin zu werden, meine Stunden, die ganz allein nur mir und niemand anderem gehören, zu verteidigen. Mein Söhnchen ruft, ruft stundumstund zum Spiel, zum anderen Spiel, das nicht mit dem Kunstspiel zusammengeht und nicht mit dem Trainerspiel... Es sind andere Welt und die Anforderungen sind ebenso verschieden und mein Kopf und mein Herz die wollen so gern, dass sich alles binden lässt miteinander, aber das Leben, das Leben will sich nicht biegen und lässt mich ebenso wenig aus, wie den Herrn von nebenan, der seine Arbeit verrichtet, täglich von acht bis fünf... Nun – heute mal etwas literarisch Verschlungenes...ich hoff’, das interessiert trotzdem und ändert auch nichts daran, dass ich glücklich bin und dankbar und vor allem begriffen hab – dass es ein Segen ist, solche Tätigkeiten, wie ich sie verrichte, überhaupt verrichten zu dürfen... |
| 12.01.20 | Mit mehr Zeit... Schon wieder sind einige Tage ins neue Jahr gezogen und seit meiner letzten Eintragung vergangen. Regelmäßiger und kürzer sollen die Wörter nun folgen... Ich beginne das Jahr mit einem neuen Zeitgefühl. Was das heißt? Eine befreundete Therapeutin hat so nebenbei zu mir gesagt:"Es macht doch keinen Sinn, wenn alles nur mehr Stress bedeutet, weil Du soviel schaffen willst. Das Leben ist doch zu kurz, um sich so viel Zeit nehmen zu lassen." Also wird nun alles etwas länger dauern bei mir: das nächste Buch, das nächste neue Seminar und auch die nächste intensive Emotion. Ich muss wohl meine Emotionen jetzt etwas im Zaum halten - ganz gegen meine sonstigen Ansätze - und wieder hinfinden zu den langsamen, gemäßigten Atemzügen. Ob das ein Vorsatz für das neue Jahr ist? Nein, das ist eine tägliche Handlung(!) - denn nur dadurch lässt sich etwas ändern und Stress wird einfach nicht mehr vorkommen. So und jetzt los - mit Gelassenheit. |
| 20.12.20 | Heute ein Brief an Dich... Weihnacht...wieder mal... Und ich hoffe, Du kannst es schon schmecken und riechen und etwas von all dem Heiligen und Wunderbaren erinnern - entweder weit her aus 2000 Jahren oder aus den ersten Weihnachten der Kindheit... Ich wünsche so oder so ein richtiges, ein lebendiges, sozusagen ein FEEL-MAS, wie es im Buche steht. Und ich möchte Dir eines meiner liebsten x-mas Gedichte von Agnes Miegel mitgeben, vielleicht passt es ja zur Lesung am heiligen Abend: Der Schnee weht übers Land, Weiß ist und still der Flockenfall, Ums Haus der Abendnebel zieht Und leis klingt erstes Krippenlied Gottvater legt den Weltenball In seines jungen Kindes Hand. O Unschuld, die ihn lächelnd hält, Den bunten Ball, bewahr ihn gut, Lösch aus den Brand, wisch ab das Blut, Gib, ewig junges Angesicht, Uns neuen Mut mit neuem Licht, Und wieg in Deiner Hände Hut Zur Ruh die aufgestörte Welt! Ja, soweit vor den Festtagen - hab also ein gesegnetes Fest und ein ebenso herzhaftes Jahr 2002. In Freundschaft und mit den besten Wünschen vom Herzen Dein Michael Weger |
|
|
| 04.12.20 | Oh Apfelbaum, oh Apfelbaum... Es geht endlich auf Weihnachten zu. Und das bedeutet für mich die Aussicht auf einige ruhige Tage mit der Familie ohne die immer wieder an Öffentlichkeit und Verpflichtungen mahnenden Telefontöne. Zwischen Theater, Seminaren, Vorträgen, Lesen und Lernen rührt sich doch stetig die Sehnsucht nach Innehalten und Bleiben...an einem Ort, bei einem Gedanken, mit meinen nächsten Menschen. So viel Schönes und Wunderbares diese Arbeiten, die ich leben darf, auch bieten, so verhält es sich doch wie mit allen Dingen: Selbst das Schönste wird schließlich zur Gewohnheit und man erfährt es erst wieder, wenn man innehält, um es aufmerksam zu betrachten. Weihnacht... Hast Du schon Familienrat abgehalten? Um festzustellen, welche Art von Weihnacht auch wirklich alle Familienmitglieder feiern wollen. Selbst wenn dann nach dem Rat alles so bleibt, wie es immer war, ist doch das Ritual neu entdeckt. Ich glaub, es tut gut und ist auch im Sinn der Sache, die überlieferten und oft vertrockneten Rituale neue zu entdecken und an die eigene Zeit anzupassen. Vielleicht wird heuer ja der Apfelbaum in Deinem Garten geschmückt und als Geschenk erhält jeder eine Hoffnung vom anderen und die Sehnsüchte werden auf Seifenblasen geschrieben und in den Himmel zum Christkind geschickt. Noch bleibt ja etwas Zeit...um ganz still zu werden...bis Du schließlich sogar die innere Stimme Deiner Lieben hören kannst... |
| 21.11.20 | Zeit nehmen... Zur Zeit sind die Abstände zwischen den Tagebucheintragungen ziemlich groß. Nicht, weil ich so wenig zu sagen habe in diesen Wochen, nein, eher das Gegenteil ist der Fall. Seit langem bin ich wieder mit psychologischer Grundlagenarbeit beschäftigt, was mich derart inspiriert, dass sich gut 3-4 neue Ansätze für Seminare und Trainingsformen ergeben, die ich aber erst mit viel Zeit ausarbeiten will. Überhaupt liegt mein Hauptaugenmerk darauf ein noch besseres Zeitmanagement für mich selbst zu entwickeln. Was auch beinhaltet, dass die nächsten Bücher viel länger brauchen werden. Ich will in Zukunft ruhig einige Jahre mit Hintergrundarbeit verbringen, bevor wieder ein neues Buche erscheint. Nicht weil ich unzufrieden mit den Ergebnissen bin, sondern einfach aus einer neu erwachten Liebe zum Detail, zur Tiefe. Es führt mich jetzt wohl eher weiter und weiter unter die Oberfläche menschlicher Entwicklung und das heißt: lange suchen und ergründen, um am Ende schließlich wieder Vereinfachtes, Verdichtetes mitteilen zu können. Immer wird es die Suche nach einer Sprache bleiben, die sich mitteilt und auch komplexe Inhalte lesbar und verständlich weitergibt. Das braucht eben seine Zeit, und ich bin ja trotzdem nicht aus der Welt. Hier sei auch angeboten: Wenn Du Rat brauchst – einfach ein Mail senden und ich antworte sicher. Versprochen. |
| 02.11.20 | Unruhe, sagt das Leben... Das ist nun der sechste Anfang dieser Tagebuchzeilen. So ist es in diesen Tagen in mir. Eine unbekannte und ungewohnte Spannung ist da. Meine Muskeln sind geladen, mein Herz fühlt sich an, als würde es zittern (der Pulsmesser aber bleibt cool...?!). Meine liebe Frau meint, es könnte mit dem Vollmond zusammenhängen – ich hoffe es, denn dann würde sich ja in den kommenden Tagen Beruhigung einstellen. Ich versuche zu orten, woher diese Unruhe kommt, aber es stellt sich kein Bild, keine Ahnung ein. Vielleicht waren die vergangenen Wochen einfach zu angefüllt von Neuem und Unerwartetem. Vielleicht ist es der Mangel an Allein-Zeit. Es zittert in mir ohne Angst, die sich stellt. Mag sein ich fürchte die Zeit..., das, was uns umgibt, was zu tun wäre – wieder ist es die Zeit, die uns fehlt –, mag sein, ich warte auf etwas, das kommt: Es sendet seine Vorboten und versucht sich mitzuteilen; doch wie es hören, wenn der Lärm und das Kriegsgetümmel so laut schallt und rundum nur Fragen warten, Fragen, Fragen...so stundenlang.... Wär’ ich nur müd’...dann könnte ich bleiben und müsste nicht voraus, hinterher hetzen mit dem Herzen, den Augen, dem Hirn. Natürlich ist immer eine Technik parat, um das Unerwünschte zu bessern. Doch das ist die heiligste Kunst in der Kunst: zu wissen, wann das Leben laufen muss, ohne dass man entscheidend eingreift. Könnt ich das schon beherrschen, wäre es einfacher. So bleibt nur die Stimme...die so leise ist, dass man sich lang nicht rühren darf...und dazu ist es zu bewegt und laut in mir... Oft herrscht einfach das Leben – so verwickelt wie es eben aus Urzeiten ist. |
| 17.10.20 | Ein Tor zum Leben... So ein Tagebuch – ganz öffentlich im Internet – verleitet dazu, immer nach Klugem, Weisem oder Problematischem zu suchen. Ich hab derzeit einfach nichts derartiges parat. Die ver-rückten Vorgänge auf der Welt beobachte ich eben auch aus dieser so fragwürdig gemütlichen Distanz – wohl wie wir alle. Natürlich in der Hoffnung, dass wir verschont bleiben und natürlich überkommen mich bisweilen Gefühle von Furcht, Zorn oder Schuld... Aber sie vergehen bald und so bleibt das Leben wie es war oder eben jeden Tag wieder neu ist. Ich lerne und denke und übe mich und mit mir meine Lieben darin, trotz alle dem oder vielleicht gerade deshalb, dem Leben und der möglichen Liebe zum Leben ganz zu begegnen. Ich bemühe mich, Verantwortungen für die täglichen Augenblicke zu übernehmen und mehr denn je, diese Arbeit des Verbindens und Förderns voranzutreiben. Ich frage mich auch, ob ein schlechtes Gewissen, ob dieser Normalität, nicht angebracht wäre. Und ich habe keine Antwort. Was bleibt ist die Hingabe und der tägliche Versuch, aus ganzem Herzen da zu sein und das Mögliche zu riskieren. Es ist eine schöne und aufregende Zeit - und der täglich beweinte Tod kann ein Tor zum Leben werden... |
| 07.10.20 | Lernen und Lieben... Eigentlich gibt’s nicht viel zu berichten. Die Tage sind angefüllt mit Arbeit, sprich: sind voll von Lust und Leidenschaft für alle meine Projekte. Wir finden immer noch genug Zeit, um viel miteinander zu sein und unsere Liebe zu pflegen (ich meine natürlich meine Familie...) und: wir bringen Einiges voran... Ich selbst bin wieder mal am arbeiten mit einem meiner wunden Punkte, nämlich auch unter Druck, offen genug zu bleiben, um Kränkungen durchzulassen. Zugleich bemühe mich aber auch um größere Klarheit und darum, meine eigenen Grenzen besser zu ziehen, d.h. wenn ich z.B. mal etwas nicht erledigen oder leisten kann, dann kann ich eben nicht; oder zumindest jetzt nicht. Ich bin also wieder mal mit dem „Ja“ und dem „Nein“ beschäftigt. Und muss einfach täglich daran üben und jeden Moment gewahr bleiben. Die Transaktionsanalyse begegnet mir zur Zeit mit Nachdruck und ich bin grade am aufarbeiten. Überhaupt ist das eine Zeit des Sammelns und Lernens. Und so soll das auch bleiben: Selbst wenn die kommenden Jahre gleich angefüllt bleiben mit Projekten, dürfen doch das Lernen und vor allem die Liebe in der Familie nie zu kurz kommen. |
| 23.09.20 | Je länger die Tränen währen... Der Herbstregen zieht wieder übers Land und bemüht sich tapfer, die Tränen fortzuspülen. Das soll ihm wohl nicht ganz gelingen, denn was uns aus den vergangenen Tagen an Haltungen, neuem, anderem Denken oder Einsicht erwachsen könnte, braucht wohl seine Zeit. Je länger die Tränen währen, desto größer die Chance eine Auswirkung aufs eigene Leben zu erreichen. Worin kann das nun liegen? Was kann man als einzelner tun, als Familie, als eine Gesellschaft dieser ersten Welt? Ich möchte nicht schulmeistern. Ich kann auch nur benennen, wozu es mich führt. Froh bin ich darüber, den Satz „es gibt Wichtigeres als das“ aus vielen Mündern zu hören, die zu anderen Zeiten gut und gerne Minuten mit der Jammerei über ein x-beliebiges Thema verbacht haben. Was es mir tut? Ich hab mehr denn je einen Grund, ebenso den kleinen und unwichtigen Gefühlswallungen – aus Egoismus, Schuldgefühlen, Überlastung – ihre Spitze zu nehmen und sanfter damit umzugehen. Die Angst vor dem Belanglosen ist vertrieben und über den kollektiven „Wir schaffen es-Wir halten zusammen-Wir besiegen den Feind-Kundgebungen“ verstärkt sich auch bei mir dieser andere Mut – dieser Kampfmut. In meinem Fall gilt diese Kraft sicher meinem Kampf für Verantwortung, für Verständnis, für die Suche nach den Ursachen und für die Hoffnung... Vielleicht ist es das: Ich kann diesem Wahn der Welt nur damit begegnen, die konkrete vor mir liegende Aufgabe – welche auch immer – noch genauer, geduldiger und verantwortungsvoller zu lösen. Und das wird immer ein Versuch bleiben, dessen Qualität sich schließlich darin behauptet, wie sehr ich – falls es misslingt – mir vergeben kann... |
| 16.09.20 | Nur Schweigen... Ich mag in diesen Tagen nicht in den Tenor oberflächlicher Betrachtungen fallen. Mir bleibt ob dem Schmerz und der Trauer in der Welt nur Schweigen... Aber doch eine Frage: Wann werden wir kollektiv und weltweit bereit sein, nicht nur Rache heraufzubeschwören, sondern hinter der Oberfläche Ursachen zu ergründen? Ich bin wie taub... und es bleiben nur „Hoffnung, Liebe, Glauben – diese drei.“ |
| 09.09.20 | Sobald das Herz es nur will... So sind es manchmal nur ein paar Zeilen. Und wenn diese Aufgabe – alle paar Tage Zeilen für meine Homepage zu verfassen – schon zur Gewohnheit wird, so bin ich doch immer wieder versucht, die Öffentlichkeit zu vergessen, der es zugänglich wird, nahezu im selben Moment, da ich es schreibe. Und wünsche mir das heimliche Tagebuch herbei, in dem ich die Worte nicht wäge, sondern fließen lasse zu jedem und allem Bedenklichen. Heut ist es die Sehnsucht nach verklungenen Zeiten, aus denen hin und wieder die Winde einzelne Melodien herübertragen in diese Zeit. Nichts Aufwühlendes; neben all dem Gefügten eigentlich nur eine Ahnung, einem Spiel gleich...das Spiel. Es begleitet mich nun wieder. Diese Welt der Schauspieler – das doppelte Leben, dem man, so weiß ich erst aus den letzten Jahren, nie vertrauen darf. Denn ein Schauspieler, wenn er fühlt, fühlt immer auch, um daraus ein Erinnern zu gestalten, ein abrufbares. Sehnsüchte wie Düfte, fein gewoben aus Erinnerungen...ziehen vorbei... Und ich werde wohl wieder träumen, was alles sonst an Leben zu leben wäre... Denn während das Eine in der Hand sich formt – selbst wenn es voll von Güte ist – scheidet doch das Andere aus. Und darüber könnte man verzweifeln, hätte man nicht die Übung des Spielers, in allem zu sein, sobald das Herz es nur will. Und: Die Ahnung von Ewigem... |
| 06.09.20 | Mitten drin... Schon geht die Arbeit wieder voll los. neuebuehne ist am Werden, Seminare und Vorträge müssen vorbereitet werden... Ich halte meine Ruhe und Freude an all der Arbeit und den täglichen Herausforderungen. Das ist zur Zeit meine Übung, mich täglich auf Gelassenheit und Plus 5 einzustellen - alles eine Frage der richtigen Programmierung. eh schon wissen... |
| 30.08.20 | Die Ruhezeit in die Stresszeit retten... Wie immer – unmittelbar nach dem Urlaub – bleibt ein großer Vorsatz bestehen: dieses lockere, leichte und ungehetzte feeling möchte ich in den Herbst retten, möchte ich hineinverpflanzen in die bevorstehende knappe Zeit – heißt Stresszeit. Ja, hör ich da die zynischen Kritiker sagen, da gibt’s so eine Methode...EP...vielleicht solltest Du die mal anwenden. Ja, hör ich mich darauf sagen, vielleicht sollt’ ich das wirklich... Oder freu ich mich auch ein bisserl auf den Stress? Macht mich die Zeitnot manchmal produktiver? Sicher ist das so und im Großen und Ganzen ist die kommende Zeit sehr wohl mit Luft geplant – das den Kritikern geantwortet. Aber so richtig relaxed, so ganz aus dem tiefen Wissen heraus, es geschieht ohnedies nur, was geschehen soll (und das bar jedes Fatalismus), lass es einfach wachsen, hab Vertrauen...ja, das werden wohl die Gutenmorgensprüche der kommenden Tage werden. Oder so ähnlich, etwas direkter und weniger schwülstig. Nu – ich bin wieder zurück im Trainer- und Theaterleben und für alle Anfragen zu haben. Schönen Herbstbeginn wünsch ich und ein Lächeln am Morgen. |
|
|
| 16.07.20 | Sommer...pause Ich muss einfach. Es drängt mich ja ohnedies immer dazu: weiter...gehen...da sein... So ist meine Sommerpause vom 30. Juli bis 30. August einfach zwingend verordnet. Es war schon genug in diesem ersten Halbjahr und der Herbst bringt auch viel Neues... Ich hoffe, lieber Leser-User, Du verlierst trotzdem nicht den Kontakt zu mir und besuchst mich aller-allerspätestens am 1. September wieder. Da stehen dann auch die Seminartermine für den Herbst fest und werden natürlich auch auf der Page vermerkt sein. Bis dahin m.w. |
|
|
| 25.06.20 | Ruhe... Nur ein kurzer Eintrag heute, denn: der Sommer beginnt nun für mich. Und in diesem Halbjahr hab ich schon sehnsüchtig darauf gewartet. Es war etwas viel, was da in so wenigen Monaten passiert ist: Buch, über 30 Seminare und Vorträge, Neuebühne Villach ins Leben gerufen, Theaterfestival Spectrum organisiert und durchgeführt und Emotion Power Show!!! Ich schreib das ja jetzt eigentlich nur hin, um mir klar zu machen, dass ich jetzt wirklich Urlaub machen dürfte. Dürfte...da fängt’s ja schon wieder an. Das Buch kommt Ende Juni raus und das heißt Promotiontour und Medien und, und, und... Aber locker(!) eingeteilt und dann in den ersten drei Augustwochen: Abwesenheit. Alles liegen und stehen lassen und Vollpause machen. Heute also keine Erkenntnisse und keine tiefschürfenden Outings. Sondern: Ankündigung auf eine sehr lose Tagebucheintragungszeit. Wünsch einen schönen Sommer... |
| 15.06.20 | Wer hoch fliegt... Schon verwunderlich, wir schnell sich Stolz einstellen kann. Ich kenne das zwar schon aus der Zeit als Schauspieler, doch in den letzten Tagen war ich erneut damit konfrontiert. Ganz unvermittelt hab ich plötzlich den Anflug von Überheblichkeit an mir gespürt und das Gefühl etwas Besonderes zu sein. Das mag ich überhaupt nicht und empfinde es auch nicht so; es sind so viele Menschen, so viele Zeichen und Hilfen, die meinen Erfolg ausmachen und ich fühle mich ohnedies mehr als Sprachrohr, denn als selbst Schaffender. Eigentlich ist da eine große Bescheidenheit in mir und eine tiefe Demut all dem gegenüber, was ich erreichen oder womit ich leben darf. Und doch: mitunter kommt da diese Überheblichkeit durch, für die ich mich schäme – auch jetzt, da ich darüber so intim und doch öffentlich schreibe. Ich hoffe, lieber Leser, Du verstehst das. Und nimmst es mir nicht übel. Und ich versuche natürlich auch zu gestehen, weil ich glaube, das darin eine große Kraft ruht, im Geständnis anderen Menschen gegenüber. Ich sammle nur und verbinde manche Dinge miteinander und ich versuche so vielen Menschen wie möglich ein Handwerk für’s Leben und Glück und Hoffnung zu geben. Und wenn ich mich dann verlaufe, so hält mir das Leben ohnedies sofort den Spiegel hin und dann schäm ich mich halt ein Stück lang... Ich bitte darum, nie die Achtsamkeit zu verlieren und nie zu vergessen, wie groß oder klein ich wirklich bin... |
| 09.06.20 | Nach einem der schönsten Abende meines Lebens... Eigentlich müsste ich jetzt in mein Tagebuch nur ein Wort schreiben: Danke; und dann wieder danke und wieder danke, danke, danke... Schon dass über 1000 Menschen kommen, um meine Inhalte zu hören und mich zu sehen ist ein Segen und eine unendliche Freude, dass aber dann diese 1000 auch noch jubeln und mitspringen und lachen und schreien, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und als wären wir alle einander vertraut – das ist unbeschreiblich... Mit all dem und den vielen Eindrücken der Stunden danach muss ich erst wieder leben lernen. Mit manchen Fragen von Besuchern, in deren Augen diese unendliche Hoffnung nach Rückhalt geschrieben steht und auch mit der Distanz, die andere einnehmen müssen, aus Furcht oder Unsicherheit. Ich werde meine Worte und Inhalte weiter und wieder überprüfen, die Verantwortung messen und täglich weiterhin üben, nie mehr zu versprechen, als ich selbst im Stande bin zu leben. Heute aber dennoch ein großer Dank an Euch alle, Freunde und Begleiter, die mitgeholfen haben und an meiner Seite mit mir arbeiten für das Herz und die guten Gefühle im Leben. Danke an Euch – Zuschauer, Leser, Seminarteilnehmer, Hörer... – für Euer Vertrauen. Und nicht vergessen: Gefühlsbarometer jeden morgen auf +5 und dann in den Tag hinein mit 4L – leicht, locker, lebendig und Lächelkontrolle! |
|
|
| 02.06.20 | Die Verantwortung wächst... So eine Freude ist in mir und so eine Aufregung. Auch wenn all das Bevorstehende absehbar und erhofft war, so ist es dennoch ergreifend, wenn es dann eintritt. Über 1000 Zuschauer werden am Donnerstag bei der Show im Congress Center sein (es ist jetzt schon beinah ausverkauft), im Juni erscheint das neue Buch, im Juli steht eine Staffel als Trainer im Fernsehen in Aussicht, und die Neuebühne Villach wächst und wächst – die Projekte nehmen Gestalt an und versprechen ein intensives Theaterjahr 2002. Ich spüre die Verantwortung wachsen. Mehr und mehr Menschen verfolgen meine Aktivitäten, meine Meinungen und nehmen Teil an der Entwicklung der Inhalte. Mein Körper reagiert zur Zeit äußerst sensibel; sobald ich mir nicht genug Zeit zum Verarbeiten der Ereignisse nehme, schickt er seine Botschaften aus: Lass dir Zeit, lass locker – es wächst, wie es wachsen soll und muss. Tag um Tag heißt die Übung: Vertrauen. Die Energien auswerfen und dann das Leben gedeihen lassen. Immer an der Grenze, auf dem schmalen Grat, der diese beiden Handlungen voneinander trennt. Nun steht wohl eine Zeit des Gedeihens und Erntens bevor; doch selbst dies mag mit Umsicht geschehen. Ich bete jeden Tag um die Zeichen und Stimmen, die es braucht, um den Weg des Augenblickes zu erkennen. |
|
|
| 25.05.20 | Was mir fehlt... Sind so viele Ereignisse in meinem Kopf und Herzen, dass ich kaum mit dem Ordnen nachkomme. Es geht ja schließlich alles immer wieder so tief durch einen durch. Mich lässt ja fast gar nichts kalt oder wenigstens kühl. Und wenn dann die Projekte, die vor mir liegen, ihre Formen annehmen sollen, dann schwirrt es und braut sich zusammen und zersplittert wieder und formt sich neu. So sind diese Tage. Wenn es dann doch zu den so seltenen Stunden des Alleinseins kommt – so ganz mit mir und ohne einen Menschen in meiner Nähe, wenn also plötzlich Stille herrscht, dann merke ich erst was mir doch oft fehlt, um mich in meine Mitte zu stellen und mich zu einigen mit mir selbst. Dieses Alleinsein fehlt mir. Es ist gar nicht so sehr die Zeit oder die Familie, also nichts außerhalb von mir liegendes; es ist meine Liebe zu allem was ich tue und womit ich lebe. Nicht die Familie kostet mich so viel Zeit oder meine Arbeit, sondern all die Freude, die ich damit habe... Und so gesehen ist dieses immerwährende unter Menschen sein gar nicht schlimm; macht sich aber dann doch bemerkbar – einfach weil die Stille plötzlich explodiert. |
| 21.05.20 | Ich bin, was... Schon die letzten Jahre waren geprägt von dem Widerstreit zwischen den Vorgaben des Willens und dem, was das Leben braucht. Einerseits scheint es so zu sei, dass man mit seinem Willen nahezu alles erreichen kann. Doch bleibt dann immer die Frage offen, ob das auch im Sinn des Lebens ist. Wieder in diesen Tagen muss ich so viele Stunden wie nur irgend möglich damit verbringen, mich zu klären. Mein Wollen geht ganz zu den Menschen hin. Das zumindest ist klar. Und wenn ich – wie stets meine Gaben überprüfe – so scheint das wohl auch im Sinne des Lebens zu sein. Doch: Bin ich jetzt ein Schauspieler und Theatermacher oder ein Buchautor und Emotionstrainer? Wohin geht der Weg? Muss ich mich entscheiden? Einer meiner liebsten Freunde – fällt mit gerade dazu ein – hat den mir besten Rat dazu abgegeben: Sei doch froh, dass Du beides tun kannst. Warum also darüber grübeln, wer oder was Du bist? Nun, für heute: Ich bin eben, was ich bin, will und sein soll... Oder, um es mit Shakespeare zu sagen: Begegnen wir der Zeit, wie sie uns sucht. |
| 15.05.20 | Von wegen Emotion Power... Also grade ich sollte ja wahrscheinlich nie und nimmer meine eigenen Methoden bezweifeln; aber ich muss es nun mal gestehen: meine „Emotion Power“ lässt in diesen Tagen manchmal zu wünschen übrig. Nun gut, ich sag ja selbst immer, dass z.B. ein Tischler, nur weil er weiß wie man Tische baut, auch nicht von früh bis spät Tische baut. Was ich damit meine ist, natürlich ist auch ein emotionales Psychohandwerk wie EP etwas, das man nicht immer einsetzen will. Und ich glaube das ist der springende Punkt: Ich will in diesen Tagen eher mal etwas zurückgezogene Stunden verbringen, den berühmten Lärm der Welt vor der Haustüre stehen lassen – ihn einfach aussperren – und am besten wäre natürlich überhaupt Urlaub. Spielt’s aber leider nicht; die Projekte jagen einander geradezu und ich hab heute einfach keinen Tipp für mich parat, außer... ich geh jetzt eine Runde Mittagsschläfchen halten. |
| 05.05.20 | Den Dolchen ausweichen... Du kennst das bestimmt auch: Die Dolche, die immer wieder auf einen zufliegen. Manchmal in Form von bösartiger Kritik, manchmal als Vorwurf oder oft auch als ungeäußerte Spannung, die in der Luft liegt... Ein Schauspieler Kollege hat einmal auf die Frage, wie er denn all die Intrigen und das Mobbing am Theater aushalte, geantwortet: „Regenmäntelchen. Weißt du, bevor ich da hinein gehe, ziehe ich mein Regenmäntelchen an, und dann rinnt das ganze Gift und der Müll und der Schmutz einfach an mir hinunter.“ In diesen Tagen muss ich mein Regenmäntelchen auch immer wieder auspacken, und mich zugleich noch mit Vertrauen und Gelassenheit wappnen. Es gelingt nicht immer, aber ich übe, übe, übe... |
|
|
| 29.04.20 | Wenn Du es eilig hast... Lothar Seiwert – der Trainer für Zeitmanagement schlechthin – hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Wenn Du es eilig hast, dann geh langsam“. Das ist, was ich mir in diesen Tagen immer wieder vor Augen halte. An vielen Baustellen wird grade zugleich gearbeitet... Und eigentlich mag ich diesen Zustand ganz gerne, nur muss ich immer acht geben, die Grenze zum Stress nicht zu überschreiten und deshalb: Geh ich einfach langsamer; nehme mir genug Ruhestunden, verbringe mehr Zeit als da ist mit meiner Frau, spiele länger mit Luca, meinem Sohn oder arbeite im Garten. Natürlich geht das nicht immer und in jeder Situation so; denn wenn ein dringender Termin ansteht, dann hilft natürlich gar nichts: da muss man dann durch. Aber meistens hilft dieses Loslassen und sich mehr Zeit geben einfach, weil dann auch die Spannung nachlässt und der Kopf klarer wird. Viele Lösungen kommen dann einfach schneller oder von selbst, da ja das Gehirn längst den Auftrag zur Bearbeitung erhalten hat. Also: Wenn es eng wird, dann lassen Sie locker. Ihr Netzwerk weiß schon, was es zu tun hat. Sie müssen nur darauf vertrauen, dass Ihre Gehirnwindungen und Ihr Gefühlssystem tadellos funktionieren. Nur: Sie müssen die eben in Ruhe arbeiten lassen und nicht immer mit Angst oder Stress dazwischen funken. Machen Sie ein Pause, am besten gleich jetzt und: Denken Sie an was Schönes... |
| 22.04.20 | Sich von der Angst befreien... Einen Teil meiner Tage verbringe ich damit, mich selbst und mein Leben als Experiment zu betrachten. Wahrscheinlich geht es allen Menschen so, die an der menschlichen Sache arbeiten; seien es nun Psychologen, Philosophen, Künstler oder Trainer. Die Erfahrungen, die Unwegbarkeiten, der Zweifel, das Scheitern und natürlich auch der Erfolg sind vielleicht die einzig möglichen Lehrmeister... Immer wieder ist es die Angst, die mir begegnet. Nicht so sehr die Furcht im eigenen Herzen - die vielen Jahre auf der Bühne, bei den Seminaren vor den Menschen haben einen großen Teil meiner Angst bezähmt -, doch die Furcht um mich herum ist es, die mir oft zu schaffen macht. Einfach weil ich anfällig bin dafür, Gefühle von anderen Menschen aufzunehmen - so als wären es meine eigenen. Diese Fähigkeit ist oft ein Segen, aber manchmal auch ein Fluch, besonders wenn es sich um Angst handelt. Angst ist die einzige Hürde, die einzige Schwelle, die es zu überschreiten gilt. Angst hindert am Erfolg und sät den Zweifel. Angst macht die Hoffnung klein oder erstickt sie ganz. Angst macht uns halb und teilt das ganze Herz. So erinnere ich mich regelmäßig an meine Stärke, die ihren physischen Ort im Rückgrat hat, am Übergang zwischen der Brust- und Lendenwirbelsäule. Dort liegen unsere Adrenalindrüsen. Immer wieder lenke ich meine ganze Aufmerksamkeit zu diesem Ort und wiederhole innerlich das Wort Stärke. Nach wenigen Augenblicken schon kann ich fühlen, wie eine tiefe Ruhe, wie Kraft und Sicherheit sich in mir ausbreiten. In Zeiten erhöhter Unruhe wiederhole ich diesen Vorgang drei bis fünfmal täglich für einige Minuten. Es hilft mir, keimende Ängste zu beruhigen und meine guten Gefühle wieder zu erlangen. |
| 17.04.20 | Sich selbst steuern... Diese Tage sind geprägt von vielschichtigen, vielgesichtigen Eindrücken und Stimmungen. Mein Herz und mein Kopf sind Augenblicke lang ganz an das neue Theater gebunden, gleich erscheint das nächste Buch auf der Bildfläche meines inneren Auges, danach – fast ohne Übergang – sind es wieder meine Lieben: die Kinder, meine Frau, meine Eltern... Und dann laufen die Seminare und Vorträge in den Firmen oft schon zu gut und zu intensiv. Dieses „Tagesgeschäft“ bindet schließlich die meisten Kräfte, weil es nie bloß ein „Geschäft“ ist, sondern immer Hingabe, Einlassen, Mitfühlen... Ich übe mich täglich in der Kunst der Selbststeuerung. Zum richtigen Zeitpunkt ein Gefühl nutzen, um neue Kraft zu tanken, aber auch zum ebenso rechten Moment ein Gefühl stoppen, um nicht in einen Sog zu geraten, der sich dann schwer stoppen lässt. In Summe liegen meine Erfolge so bei 70-80%. Den Rest der Zeit scheitere ich ebenso, hab Durchhänger oder verzettle mich in kleinmütige Perspektiven. Aber ich übe; jede Tag, jede Minute... Das Leben lieben, dankbar sein und auch genießen lernen... Jeden Morgen fragen: Leben, Gott, Liebe – was ist die Aufgabe heute? So in etwas lautet das Motto dieser Tage. |
|
|
| 13.04.20 | Stärke Ich bin ruhig. Meine Kräfte sammeln sich wieder und aus den Erfahrungen der Rückenschmerzen wächst wieder Stärke. (Klingt irgendwie esoterisch; stimmt aber trotzdem.) Ich hab einfach die Zeit genutzt und wieder mal intensiv in mich hineingeschaut. Angst hab ich wieder entdeckt – die alte Angst der Kindheit: doch noch verlassen zu werden ohne Grund – und auch mein Thema mit der Stärke: Jene tiefe, wirkliche Stärke – aus ganzem Herzen und mit ganzem Rückgrat – die ich immer wieder erinnern muss und üben in genügend Stillestunden. Noch bin ich überhaupt nicht klar damit, was alles in einer Gefühlstagebuchseite einer Homepage Platz hat. Wieviel darf und will und kann ich sagen? Wieviel traue ich mich zu sagen? Bin ich stark genug, dass auszuhalten, falls einer solch intime Geständnisse liest und sie dann gegen mich verwendet? Gewiss ist das eine gute Übung... – wie ich ja vieles, was ich tue, gern der Übung wegen tue... Und wer mit Steinen wirft, muss sich ohnedies hüten vor dem nächsten Regen...der den Steilhang löst...der überm Haus liegt... Nu, so ist halt ein Tagebuch – manchmal unsinnig und manchmal verschlossen oder halt nur für welche bestimmt, die gern hinter Zeilen lesen. |
| 08.04.20 | Das neue Theater... Das neue Theater beschäftigt mich jetzt innerlich doch mehr, als ich ursprünglich wollte. Hinzu kommt, dass ich mich in den letzten Tagen auch körperlich übernommen habe (Büro übersiedeln und Gartenarbeit - also Möbel und Erdsäcke schleppen...). Mein Rücken hat prompt mit Schmerzen reagiert, die mich jetzt zum Innehalten und Nachdenken auffordern. Einerseits freu' ich mich sehr über diese neue Stätte der Begegnung - das Villacher Theater soll ja jetzt endgültig mit März 2002 bespielbar sein - und andererseits höre ich meine innere Stimme deutlich sagen: Sei umsichtig mit deinen Kräften und nimm dir genügend Zeit zum Fühlen und Hineinhören, was der jeweils richtige nächste Schritt ist. Ob ich Vorträge und Seminare halte, Bücher schreibe oder Theater mache: Im Mittelpunkt steht immer der Mensch und seine mögliche Entwicklung. Darin trifft sich alles. Die Fäden meiner scheinbar verschiedenen beruflichen Tätigkeiten verflechten sich zu einem Band. Ich werde besonders darauf achten, möglichst viel an operativer Arbeit zu delegieren, um genügend Zeit dafür aufzubringen, die richtigen Menschen auszusuchen. Wenn es gelingt für ein spezielles Stück, die passenden Akteure und Mitarbeiter zu finden, kann hin und wieder geschehen, wofür ich das Theater so liebe: Das Wunder menschlicher Übereinkunft. |
| 02.04.20 | Still ist es heute .... Still ist es heute in mir. Manche Tage bringen eine Ruhe mit sich, die einen fast erschreckt, weil sie so unvermittelt auftritt. Vielleicht weil wieder ein Schritt getan ist... Die Homepage geht heute ins Netz, das neue Buch erscheint in wenigen Tagen und die Vorbereitungen für die Show laufen bereits. Ich probe gut dreimal die Woche mit der Company, bin laufend mit dem Sponsorpartner und den Medien in Kontakt. Eigentlich ist die Zeit voll von Arbeit. Aber irgendwie empfinde ich keinen Stress. Sogar die Stille hält manchmal Einzug, obwohl es rundherum laut und fordernd ist. Vielleicht schaffe ich das ja langsam; mir Zeit zu lassen, wenn es zu schnell wird... Auch im neuen Haus haben wir uns gut eingelebt. Ich hab mich daran gewöhnt, dass mein kleiner Sohn halt hin und wieder tobt, gerade wenn ich am Schreiben oder Organisieren bin. Und gemeinsam mit meiner lieben Frau Mani finden wir auch von Tag zu Tag mehr Antworten auf die Fragen: Wie kann denn Beziehung und Ehe eigentlich funktionieren, wenn beide am Lernen und Wachsen sind? Wie kann man den Kindern immer genug Liebe und Aufmerksamkeit geben, ohne selbst auf der Strecke zu bleiben? Wie kann man die Kinder gut begleiten, anleiten und führen, ohne sie krampfhaft zu erziehen? Es ist schon eine verrückte Zeit, in der wir leben – aber auch eine aufregende. Auf alle Fälle blicke ich mit gespannten und erwartungsvollen Augen in die kommenden Tage und Wochen. Und sage mir zur Beruhigung immer wieder: Möge das Richtige zur rechten Zeit geschehen. Alles kann man sowieso nicht kalkulieren, also halte ich meinem Leben immer die Tür offen, in die es eintreten mag, um mir vielleicht eine neue Richtung zu geben. |
|
|